Warum eine Hörtherapie im Rahmen der Hörgeräteversorgung längst Standard sein sollte.

Hörtherapie oder Hörtraining – das ist kein Hype, kein Trend, keine Neuentdeckung der letzten Jahre. Vielmehr hat sich der Einsatz dieser über Jahre hinweg bewährt und stetig weiterentwickelt. Die Anfänge gehen zurück bis ins Jahr 1959, als Wissenschaftler erste Erfahrungen mit einem Hörtraining in einem Buch beschrieben. Terzo entwickelte 2006 als eine der Ersten ein wissenschaftlich fundiertes Hörtraining und machte es für Hörgeschädigte generell zugänglich. Heute, 14 Jahre später, scheint der Markt förmlich überschwemmt von vermeintlichen Trainingsangeboten für besseres Hören. Kein Wunder: Die positiven Effekte von Hörtrainings-Maßnahmen sind grundsätzlich unbestritten, werden durch wissenschaftliche Studien verstärkt belegt.

Für Hörgeschädigte stellt sich neben der Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings zu Beginn auch die Frage: Ist es das wert? Brauche ich das wirklich? Geht’s nicht auch ohne? Und wie teuer lässt sich der Akustiker das bezahlen? Denn zum Verschenken hat schließlich keiner etwas – weder Zeit (für den Trainingsaufwand) noch Geld (an den Akustiker). Um mit einem Gedanken gleich vorweg und offensiv aufzuräumen: Hörtraining ist kein sinnfreies Marketingtool. Es mag sein, dass es unter Hörakustikern (leider) solche schwarzen Schafe gibt, die mit allen Mitteln um neue Kunden werben, aber nicht jeder Akustiker, der eine Hörtherapie anbietet, verfolgt damit solch unehrbare Ziele.

Ein Großteil der Akustiker hat vielmehr verstanden, dass ein Hörverlust für eine zufriedenstellende Hörgeräteversorgung ganzheitlich versorgt werden muss. Und hier der gezielte, zeitlich begrenzte Rahmen der Hörtherapie effektiv und schnell zum Ziel führt. In der Praxis bedeutet das: Hörgeräte für die Ohren und Hörtraining für das Gehirn als fundierte Therapiemaßnahme. Stets im Mittelpunkt: Der Kunde und dessen bestmögliches Verstehen.

Hörgeräte werden technisch immer raffinierter und smarter. Trotz Ausstattung mit künstlicher Intelligenz machen sie den Hörgeräteträger nicht automatisch zufriedener – wo bleibt dann der technische Fortschritt beziehungsweise warum wirkt er nicht wie gewünscht? Die Erfahrung (sowie inzwischen auch wissenschaftliche Untersuchungen) zeigt, dass Hörgeräte allein in den meisten Fällen nicht ausreichen, um den Hörverlust auf allen Ebenen ideal auszugleichen. Vor allem das Verstehen eines oder mehrerer Sprecher in geräuschvollen Umgebungen gilt noch immer als eine der „Königsdisziplinen“, wo Hörgeräte alleine – trotz bester Technik – an ihre Grenzen stoßen. Denn die Entscheidung, wem der Hörgeräteträger zuhören möchte, kann kein noch so gutes Hörgerät übernehmen. Diese Entscheidung trifft einzig und allein das Gehirn. Genau hier kommt das Hörtraining ins Spiel: Denn diese Funktion muss im Zuge einer Hörgeräteanpassung mitbedacht, meist rehabilitiert werden. Dann wird die Hörgeräteanpassung auch nicht zum Frust, sondern zur Lust – beim Betroffenen wie beim Akustiker.

Die einen so, die anderen so?

Dass noch immer zahlreiche Hörgeräte ohne Hörtraining angepasst werden, schafft Skepsis. Geht es doch ohne genauso gut? „Nichts Genaues weiß man nicht“, verkündet der Volksmund und der muss es ja wissen. Oder? Weil die Wirk- und Vorgehensweise sowie manche Zusammenhänge oft nicht klar sind, begibt man sich selbst auf Spurensuche – Dr. Google lässt grüßen, Halb- oder Unwahrheiten leider inklusive … Fundiert klappt es letztlich nur aus erster Hand, beim Hörakustiker (mit Hörtrainingsangebot). Der erklärt Nutzen und Ablauf des Trainings, einzelne Schritte und Vorteile auf dem Weg hin zu besserem Hören – und zwar vor der eigentlichen Hörgeräteanpassung.